Abonnieren

MINISTERBESUCH BEIM ZENTRUM AM BERG

Eisenerz/Leoben (APA) – Ein Forschungszentrum für die Tunnelsicherheit entsteht am obersteirischen Erzberg. In den stillgelegten Tunnels soll unter Tage geforscht, aber auch trainiert werden. Die Rohbauarbeiten sind weitgehend fertiggestellt, das Lüftergebäude in Bau. Ein Bereich im Berg soll zudem zu einem Trainingszentrum für Anti-Terror-Einsätze in U-Bahnhöfen ausgebaut werden, hieß es kürzlich vor Ort.

Bundesminister Reichhardt zu Besuch beim Zentrum am Berg; Fotocredit: Armin Russold/Foto Freisinger

Bundesminister Reichhardt zu Besuch beim Zentrum am Berg; Fotocredit: Armin Russold/Foto Freisinger

Der Untertagebau am „Steirischen Brotlaib“ wurde vor rund 20 Jahren aufgegeben, bald wird jedoch im Inneren des Erzberges wieder mehr los sein. Kernstück des unterirdischen „Zentrum am Berg“ (ZaB) auf rund 1.050 Meter Seehöhe sind zwei parallel geführte Straßen- und zwei Eisenbahntunnel sowie weitere Stollen. Sie sind teils miteinander verbunden. Insgesamt ist das verfügbare Tunnelnetz rund vier Kilometer lang, schilderte Projektleiter von der Montanuniversität Leoben, Robert Galler, bei einer Führung für Bundesminister Andreas Reichhardt und Medienvertretern.

Tunnelforschung unter realen Untertagebedingungen

Im Erzberg sollen Tunnelforschung unter realen Untertagebedingungen sowie Tests und Übungseinsätze für Betreiber und Nutzer von Straßen- und Bahninfrastrukturen durchgeführt werden. Auch die Sicherheit im Untertagebau und -betrieb soll getestet werden. „Für uns von der Montanuni wird es ein Großlabor sein: die Tunnelstrecken sind unsere Laboreinrichtung und Hörsaal zugleich“, führte Galler aus. Insgesamt werden rund 30 Millionen Euro von Land, Bund und Eigenmittel der Montanuni Leoben investiert. Auch entsprechende Ausbildungen und Trainings – etwa für Einsatzorganisationen unter sehr hohen Brandlasten – werden möglich.

Es wurden auch ganz neue Pläne präsentiert: So soll das bisherige Konzept durch ein „Trainingszentrum für sicherheitsrelevante Sonderlagen“ unter Tage, wie etwa Geiselnahmen oder Terroranschläge in U-Bahnhöfen, ausgeweitet werden, wie Ralph Hammer von der Stabsstelle für Technologietransfer und Sicherheitsforschung im Ministerium ausführte. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie wurde ebenfalls präsentiert.

Das Konzept des „Trainingszentrums für Sonderlagen“ sieht eine reale U-Bahnstation inklusive Garnitur, Rolltreppen, Liftschacht und externem Zugangsbereich vor. Militärische und polizeiliche Spezialkräfte wie Cobra und Wega sollen dort untertags den Einsatz bei Geiselnahmen oder Terroranschlägen in U-Bahnhöfen in realer Trainingsumgebung üben können, führte Hammer aus. Laut Studie sei diese Idee bisher weltweit einzigartig.

Alleine in Österreich seien rund 5.000 potenzielle Teilnehmer von Polizei und Militär ausgemacht worden, „der Bedarf ist jedenfalls da“, so Hammer. Die Umsetzungskosten wurden mit rund 13 Millionen Euro beziffert, hinzu kämen jährliche Betriebskosten von rund einer Million Euro. Laut Studie würde das Zentrum mit durchschnittlich 18 mehrtägigen Trainings für durchschnittlich sieben Teilnehmer ab dem dritten operativen Jahr positiv bilanzieren.

Europäische Nutzung

Über internationale Treffen und Wettbewerbe sollen auch europäische Spezialkräfte für Trainings in der Obersteiermark angezogen werden. Durch europäische Nutzung würde dann auch der Zugriff auf weitere EU-Mittel (International Security Fund) möglich werden, wurde in der Studie festgehalten. Mit dem Trainingszentrum könne das ZaB zu einem europaweit einzigartigem Forschungs- und Trainings-Cluster für die umfassende Sicherheit von Untertage-Anlagen avancieren, wurde in der Studie hervorgehoben.

Infrastrukturminister Reichhardt ließ sich am Donnerstag durch das „Zentrum am Berg“ führen und konnte einen Pkw-Löscheinsatz in einer der fertiggestellten Tunnelröhren mitverfolgen. Er war „beeindruckt, mit welcher Begeisterung hier zusammengearbeitet wird“. Das ZaB habe „enormes Potenzial für Österreich aber auch darüber hinaus“. „Ich bin überzeugt, dass das Geld, das hier eingesetzt wird, sinnvoll investiert wird“, kommentierte der Minister gegenüber der APA.

Galler rechnet mit einer Fertigstellung und Inbetriebnahme des ZaB mit Ende Juni 2020. Die Planung für die Vorportalgestaltung sei abgeschlossen und der Bauauftrag bereits vergeben. Auch die Aufträge für die Betriebs- und sicherheitstechnische Ausrüstung wurden vergeben. Diese soll im März kommenden Jahres fertiggestellt sein. Die Lüftungsplanung sei ebenfalls bereits abgeschlossen.

Quelle: https://science.apa.at/rubrik/politik_und_wirtschaft/Tunnelforschung_und_Terroreinsatz-Training_im_Zentrum_am_Berg/SCI_20190801_SCI40111351049845434

Cart